Theaterbericht |

witzig, mystisch und ernst - die Abtilung Ausdruck (-feat Maxi Blasius)

Felipe Bartelt Mercader

Die Abteilung Ausdruck (-feat Maxi Blasius) bespielt die capella hospitalis und reizt dessen Atmosphäre aus.
Irrwitzig beginnt die Abteilung Ausdruck ihre zweiteilige Vorstellung mit einer urkomischen kurzen Geschichte über eine unorganisierte okkulte Sekte und einen tollpatschigen Inspektor, der in ihre - zumindest von dem Kopf der Sekte - todernst genommene Seance platzt. 

Dass die Situation zwischen den allesamt herrlich überzogenen Charakteren eskaliert ist zu erwarten - und übersteigt alle Erwartungen an Slapstick. Untermalt wird das ganze von Maxi Blasius als Hintergrundmusiker der Beschwörungstruppe ("ich spiel hier nur die Orgel"). Die Ton- und Lichtwirkung in der capella setzt die ganze Szene in eine schaurige Stimmung - und bricht diese mit ihrem Humor wieder auf. Auch und vor allem wenn ein demütiger Lakai der Séance wegen einer sich lösenden Abhängung am Fenster vom Sektenanführer getadelt wird.
In einer nur von einer Darstellerin getragenen Performance, in der sie sich in einem Kreis kriechend unentwegt Sand in die über der Kleidung getragenen Strumpfhosen schüttet, zeigt die Abteilung Ausdruck im zweiten Teil eine deutlich ernstere Seite. Ihr Spießroutenlauf beschreibt eine Kurve der Emotionen von Manie über Leiden bis hin zur völligen Erschöpfung, Wut und Befreiung, indem sie sich die bereits vom Gewicht löchrig gewordene Strumpfhosenschicht vom Körper reißt. Auch hier zeigt die Capella als Ort wieder ihre Wirkung. Ohne zusätzliche akustische Begleitung verstärkt sich jedes Geräusch: das Schleifen des Sandes auf der Plastikplane am Boden, das Scharren der kriechenden Person, das Atmen, leidendes Ächzen und schließlich auch wütendes Schnauben - und nimmt die Zuschauer mit in eine gespannte und beklemmende Szene.

 

Text: Andrea

Fotts. Atika