Konzertbericht |

Kulturkompott: Goehre & Spellbreaker

Felipe Bartelt Mercader

Ein verlorengegangener Ostwestfale gibt in Bielefeld seine schon lange nicht mehr, noch nie oder nur ganz selten vorgetragenen Texte zum Besten und eine Metal-Band begeistert das Publikum zum vorvorletzen Mal mit ihren Klassikern? So nostalgisch wurde es bei unserem Kulturkompott vergangenen Samstag. Ihre leckersten Früchte warfen Micha-El Goehre und Spellbreaker im JZ Kamp in unseren bunten Topf. 

Der Abend stand unter dem Motto Heavy Metal. Freunde der härteren Gitarrenmusik waren geladen – und wurden mit einem Programm überrascht, dass nicht nur das gewohnte knallharte Steinobst für sie bereithielt. Der Text-Gigant, Autor, Poetry-Slammer, DJ und Moderator Micha El Goehre kehrt an diesem Abend nach Bielefeld zurück, um Geschichten aus dem Hartwurst-Universum vom Stapel zu lassen und um zu beweisen, dass auch alteingesessene Metal-Fans manchmal gerne über sich selber lachen. Seine Lesung begann er mit einem einfachen Thema: Der Religion. In seinem True-Relli-Test, prüfte er sämtliche großen Weltreligionen auf ihren Metal-Faktor und stellte fest, dass Religion und Heavy-Metal sich gar nicht so unähnlich sind, wie es auf den ersten Blick scheint. Einen gravierenden Unterschied gebe es jedoch: Metal existiert. Bei Gott schien sich Micha-El Goehre da nicht so sicher zu sein.
Metalheads, die wildgeworden ihre Mähne schütteln und „So true sind, dass ihre Ohren im Regen rosten?“ Dass es auch anders geht, zeigte Spellbreaker bei ihrem ungewohnt ruhigen Unplugged-Konzert. Im Sitzen hielten Band und Publikum einen Metal-Kaffee-Klatsch im Kamp-Café ab. So waren auch Zitate zu hören, mit denen man normalerweise nicht auf einem Metal-Konzert rechnet: „Ich muss mal eben mein Tamburin holen.“ 
In der zweiten Halbzeit lieferte Micha-El Goehre ein paar innovative Ideen, wie auch Metal-Bands in der Werbebranche den einen oder anderen Taler dazuverdienen können. Für Canibal Corpse schlug er eine Werbekampagne für Douglas vor. Hammerfall sieht er eher als gute Werbung für Obi oder Toom an – „Hauptsache Baumarkt!“. Außerdem plauderte er selbst, als erfahrener Eventveranstalter, aus dem Nähkästchen und gab uns 8 wertvolle Tipps, wie es auch bei uns das nächste Mal besser laufen kann. Einen weiteren Text über das „Verfallsdatum“ von Metal- und Rockbands, schließt er mit dem Satz: „Fansein bedeutet manchmal auch loslassen zu können“, gibt aber direkt zu, dass ihm das bei dem heutigen vorvorletzten Spellbreaker-Konzert nicht so leicht fällt, wie gesagt. Er bedankte sich für den Mut der Musiker, die sich unplugged („also quasi nackt“) auf die Bühne stellten und freute sich eine ihrer letzten Shows mit ihnen zu teilen.
Spellbreaker besinnen sich an diesem Abend auf alte Songs, die sie immer noch sehr gerne mögen, und auf so neue, dass der Sänger die Lyrics vom Spickzettel ablesen muss. Nach dem musikalischen Aus wollen die Musiker Freunde bleiben. Schade – da hat man sich gerade auf den akustischen Sound gewöhnt, und schon muss man sich wieder davon verabschieden. 
Spellbreaker und Micha-El Goehre haben uns an diesem Abend bewiesen, dass unter einer eisernen Schale manchmal doch ein weicher Kern steckt – der sich wunderbar in unserem Kulturkompott verarbeiten lies.

 

Text: Caro

Foto: Lisa