Eventbericht |

Der Abend beginnt und ich hoffe ich bin Teil eines sozialen Experiments.

Felipe Bartelt Mercader

Shahak Shapira ist in Bielefeld, im Tor 6. Der kleine Saal ist schon ziemlich voll als ich ankomme und das Publikum deutlich älter als ich gedacht hatte. Generell war ich mir nicht sicher, was ich von einem Comedyprogramm zu erwarten hatte, denn wenn ich ehrlich bin empfinde ich Comedy in OWL ein wenig wie in die Hose machen: Es ist für beide Seiten unangenehm.

Aber ich wollte mich überraschen lassen, schließlich fand ich seine wohl bekannteste Aktion Yolocaust, bei der er Selfies vor dem Holocaust-Mahnmal in die Umgebung von Konzentrationslagern versetzt, gar nicht schlecht. Er scheint kritisch zu sein, er eckt an und macht sich über all meine Lieblingsthemen lustig: Politik, Religion und das Deutschsein. Eigentlich gute Voraussetzungen dafür, dass ich German Humor gut finden könnte.
Als alle sitzen tritt eine Dame auf und verkündet, was ich befürchtet habe. Der Abend steht unter keinem guten Stern. Irgendjemand sei auf den Laptop getreten und habe ihn kaputt gemacht und dieser Jemand solle sich doch bitte melden. Ich sitze in einer öffentlichen Verhandlung und hoffe die nächsten sehr langen fünf Minuten inständig, dass ich Teil eines sozialen Experiments bin. Aber nein, das ist tatsächlich alles ernst gemeint und nach einigem hin und her - tritt er auf oder nicht? - fängt es dann tatsächlich an und er hat es wirklich nicht leicht.
Die Themen sind meiner Meinung nach sehr gut und sehr aktuell: Wer bekommt einen deutschen Pass und warum? Was haben Männer zu Paragraph 219a zu sagen? Warum verschandeln Nazis die deutsche Sprache? Bekommen islamistische Terroristen jetzt Rosinen oder Jungfrauen im Himmel? Kann man durch das Fisten von alten Menschen in der Zeit reisen und warum darf man nicht homosexuell sein, wenn Jesus doch so sexy ist? Ehrlich gesagt hätte ich die Show ein bisschen provokanter erwartet, aber vielleicht hat er sich auch nur zurückgehalten. Denn neben der Anmerkung, dass Bielefelder die Ausländer Deutschlands sind behauptete er auch noch wir wären das unfreundlichste Publikum. Ehrlich gesagt stimme ich ihm zu. 
Bei all dem Lustigmachen über ernste Themen fällt aber am Schluss auf, dass es seine Art ist mit diesen umzugehen. Dass Humor seine Art ist Dinge zu ertragen, wie die Morddrohungen die seine Mutter von Neonazis erhält zum Beispiel. Ich fand den Abend nicht schlecht, auch wenn diese Anfangsszene mir sehr zugesetzt hat. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass Comedy ein wirklich schwieriges Pflaster ist, aber durch Witz Dinge sehr direkt angesprochen werden können ohne auf Ablehnung zu stoßen.

 

Text: Coco

Foto: Shahak Shapira Pressefoto