
Unsere Kulturredaktion
Es gibt haufenweise Veranstaltungen, allerdings immer weniger Kritiken. Diese Lücke soll die Kulturredaktion von kompott.org stopfen. Im JZ Stricker und im Falkendom treffen sich regelmäßig interessierte Jugendliche und junge Erwachsene die Interesse am Schreiben und Fotografieren haben. Sie besuchen Kulturveranstaltungen in Bielefeleld und Umgebung, machen Fotos und schreiben Berichte. Anschließend wird dann alles auf dieser Seite veröffentlicht.Jugendliche zwischen 16-27 Jahren die schon immer mal journalistisch tätig werden wollten und eine kreative Herausforderung suchen, können sich gerne melden. Unsere Redaktion freut sich auf kreative Mitarbeit. Der freie Eintritt zu diversen Kulturveranstaltungen in Bielefeld und Umgebung ist natürlich inklusive.
Wir suchen:
- Kulturberichterstatter für www.kompott.org
- Dein Interesse an redaktioneller Berichterstattung
- Interesse an Konzert und Kulturveranstaltungen
- evtl. Interesse an Fotografie
Du brauchst:
- Bereitschaft an regelmäßigen Redaktionssitzungen teilzunehmen
- Kreatives Engagement
Bei Interesse meldet euch doch unter:
jz_stricker@myspace.com
info@falkendom.de
info@kompott.org
19.04.2011
• Modernes Zwei-Personen-Stück im Mobilen Theater • 1 Kommentar
Gut gegen Nordwind
Das kleine Theater im Theaterhaus in der Feilenstraße ist rappelvoll an diesem Abend. Stühle müssen gerückt und geholt werden, noch kurz vor Beginn der Vorstellung treibt der Regisseur zwei weitere Plätze auf. Die Vorführung kann beginnen! Die aktuelle Produktion des Mobilen Theaters basiert auf dem Erfolgsroman Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer; die Bühnenfassung hat der Autor zusammen mit der Dramaturgin Ulrike Zemme verfasst.
Von dem Buch war ich begeistert und so ging ich erwartungsvoll, wie man wohl den aus einer Reihe von E-Mails bestehenden Roman auf die Bühne gebracht hatte, zur vorerst letzten Vorstellung dieses Stücks am Freitag, den 15.04. ins Theaterhaus.
Zu der erwähnten E-Mail-Beziehung kommt es durch einen Tippfehler: Eigentlich möchte Emmi Rothner nur ihr Zeitschriftenabo kündigen. Doch ihre genervte Aufforderung - denn es ist nicht ihr erster Versuch, sich von dem gehassten Magazin zu trennen - erreicht nicht die Zeitschriftenredaktion, sondern den unglücklich verliebten Sprachwissenschaftler Leo Leike, welcher humorvoll auf Emmis E-Mail antwortet. Aus diesem Missverständnis wird schnell viel mehr und schon bald geht es nicht mehr nur um Weihnachtsmassenmails. Emmi, die in Leo vor allem Abwechslung zu ihrem Familienleben findet, und Leo, der versucht seine Ex-Freundin zu vergessen, schreiben sich Tag und Nacht, trinken in Gesellschaft des anderen am Laptop Wein, schreiben wenig über ihre Familien und viel über ihre Gefühle, Wünsche und ihre Beziehung, oder viel mehr, die Vorstellungen, die sie von ihrem jeweils unbekannten E-Mail-Gegenüber haben. Ihre Mitteilungen werden immer intensiver, immer fordernder und die beiden immer vertrauter.
Einer der Gründe dafür, dass diese bühnenuntypische Erzählart bestens auf der Bühne funktioniert, ist das gelungene Bühnenbild. Die Bühne ist aufgeteilt in Emmis Bereich – rote, schwere Samtvorhänge, lila Boden, rotes Sofa, Blumen – und Leos Zimmer – schwarze Vorhänge, grauer Boden, schwarzer Sessel und Boxsack. Der Schreibtisch mit den Laptops in der Mitte der Bühne bildet die Verbindung zwischen Emmi und Leo. Die Schauspieler spielen mit ihren Räumen, Leo überschreitet etwa die räumliche Grenze, als er nach ihrem ersten und einzigen, unerkannten Treffen, die drei möglichen Frauen, die Emmi sein könnten, beschreibt. Das Spiel der Schauspieler ist abwechslungsreich und stark: Emmi, gespielt von Sigrid Kropp, sitzt an ihrem Schreibtisch, steht am Drucker, liegt auf ihrem Sofa, wenn sie E-Mails erhält oder sendet, und Leo, dargestellt von Andreas Wenzel, regt sich an seinem Boxsack ab. Sie laufen durch ihre Zimmer, schreien, ermahnen, wünschen, streiten, fürchten und versöhnen sich. Langweilig wird dies trotz der Länge des Stücks von gut zwei Stunden nie. Denn man mag diese beiden Menschen, die sich gleichermaßen unbedarft voneinander in diese zufällige Beziehung reißen ließen, und man will wissen, wie es weitergeht mit ihnen, die selbst nie wissen, wohin das alles führen soll, nicht wissen, was sie wollen, dürfen oder sollen.
Sehr schön und bereichernd ist gegenüber dem Buch die Möglichkeit, neben der einen Person, die die Mail „vorträgt“ gleichzeitig die Reaktion der anderen Person beobachten zu können. Man erlebt immer zugleich die Nachricht und die Reaktion auf diese; man hört wie Leo die verschiedenen Frauen im Café beschreibt, die seiner Meinung nach Emmi sein könnten, und man sieht wie schockiert, schmunzelnd oder glücklich Emmi ist. Gerade bei den schnellen, mal bissigen, mal ernsten und meist humorvollen Wechseln macht es großen Spaß den Schauspielern zuzuhören und zuzuschauen. Diese schaffen es wirklich jeder Mail Leben und Abwechslung einzuhauchen, sich in ihren Zimmern zu bewegen und so jede Nachricht zu „leben“, und dennoch in Kontakt zu der Person auf der anderen Seite der Bühne zu stehen. Obwohl sie diese teilweise gar nicht sehen und nie ein direktes Gegenüber zum Spielen haben, dem sie in die Augen schauen und mit dem sie interagieren können, reißt diese Verbindung zwischen Emmi und Leo, bzw. zwischen den beiden Schauspielern nie ab. Sie sind zwei Stunden lang völlig präsent und energievoll. Und das ist eine große Leistung bei einem Stück, das eigentlich ausschließlich aus mal kürzeren, mal längeren E-Mails besteht!
Regisseur Albrecht Stoll und die Darsteller habe es an diesem Abend geschafft, zwei Charaktere auf die Bühne zu zaubern, die es vermögen E-Mails zum Leben zu erwecken und ein lebendiges Bild zweier Menschen zu zeichnen, die sich allein durch ihr Schreiben kennenlernen, annähern, immer wieder verlieren und dann doch wieder zueinanderfinden. Übrigens: am 7., 8., 13. und 14. Oktober wird Gut gegen Nordwind noch einmal aufgenommen. Hingehen lohnt sich!
Text: Lavinia Kamphausen
Von dem Buch war ich begeistert und so ging ich erwartungsvoll, wie man wohl den aus einer Reihe von E-Mails bestehenden Roman auf die Bühne gebracht hatte, zur vorerst letzten Vorstellung dieses Stücks am Freitag, den 15.04. ins Theaterhaus.
Zu der erwähnten E-Mail-Beziehung kommt es durch einen Tippfehler: Eigentlich möchte Emmi Rothner nur ihr Zeitschriftenabo kündigen. Doch ihre genervte Aufforderung - denn es ist nicht ihr erster Versuch, sich von dem gehassten Magazin zu trennen - erreicht nicht die Zeitschriftenredaktion, sondern den unglücklich verliebten Sprachwissenschaftler Leo Leike, welcher humorvoll auf Emmis E-Mail antwortet. Aus diesem Missverständnis wird schnell viel mehr und schon bald geht es nicht mehr nur um Weihnachtsmassenmails. Emmi, die in Leo vor allem Abwechslung zu ihrem Familienleben findet, und Leo, der versucht seine Ex-Freundin zu vergessen, schreiben sich Tag und Nacht, trinken in Gesellschaft des anderen am Laptop Wein, schreiben wenig über ihre Familien und viel über ihre Gefühle, Wünsche und ihre Beziehung, oder viel mehr, die Vorstellungen, die sie von ihrem jeweils unbekannten E-Mail-Gegenüber haben. Ihre Mitteilungen werden immer intensiver, immer fordernder und die beiden immer vertrauter.
Einer der Gründe dafür, dass diese bühnenuntypische Erzählart bestens auf der Bühne funktioniert, ist das gelungene Bühnenbild. Die Bühne ist aufgeteilt in Emmis Bereich – rote, schwere Samtvorhänge, lila Boden, rotes Sofa, Blumen – und Leos Zimmer – schwarze Vorhänge, grauer Boden, schwarzer Sessel und Boxsack. Der Schreibtisch mit den Laptops in der Mitte der Bühne bildet die Verbindung zwischen Emmi und Leo. Die Schauspieler spielen mit ihren Räumen, Leo überschreitet etwa die räumliche Grenze, als er nach ihrem ersten und einzigen, unerkannten Treffen, die drei möglichen Frauen, die Emmi sein könnten, beschreibt. Das Spiel der Schauspieler ist abwechslungsreich und stark: Emmi, gespielt von Sigrid Kropp, sitzt an ihrem Schreibtisch, steht am Drucker, liegt auf ihrem Sofa, wenn sie E-Mails erhält oder sendet, und Leo, dargestellt von Andreas Wenzel, regt sich an seinem Boxsack ab. Sie laufen durch ihre Zimmer, schreien, ermahnen, wünschen, streiten, fürchten und versöhnen sich. Langweilig wird dies trotz der Länge des Stücks von gut zwei Stunden nie. Denn man mag diese beiden Menschen, die sich gleichermaßen unbedarft voneinander in diese zufällige Beziehung reißen ließen, und man will wissen, wie es weitergeht mit ihnen, die selbst nie wissen, wohin das alles führen soll, nicht wissen, was sie wollen, dürfen oder sollen.
Sehr schön und bereichernd ist gegenüber dem Buch die Möglichkeit, neben der einen Person, die die Mail „vorträgt“ gleichzeitig die Reaktion der anderen Person beobachten zu können. Man erlebt immer zugleich die Nachricht und die Reaktion auf diese; man hört wie Leo die verschiedenen Frauen im Café beschreibt, die seiner Meinung nach Emmi sein könnten, und man sieht wie schockiert, schmunzelnd oder glücklich Emmi ist. Gerade bei den schnellen, mal bissigen, mal ernsten und meist humorvollen Wechseln macht es großen Spaß den Schauspielern zuzuhören und zuzuschauen. Diese schaffen es wirklich jeder Mail Leben und Abwechslung einzuhauchen, sich in ihren Zimmern zu bewegen und so jede Nachricht zu „leben“, und dennoch in Kontakt zu der Person auf der anderen Seite der Bühne zu stehen. Obwohl sie diese teilweise gar nicht sehen und nie ein direktes Gegenüber zum Spielen haben, dem sie in die Augen schauen und mit dem sie interagieren können, reißt diese Verbindung zwischen Emmi und Leo, bzw. zwischen den beiden Schauspielern nie ab. Sie sind zwei Stunden lang völlig präsent und energievoll. Und das ist eine große Leistung bei einem Stück, das eigentlich ausschließlich aus mal kürzeren, mal längeren E-Mails besteht!
Regisseur Albrecht Stoll und die Darsteller habe es an diesem Abend geschafft, zwei Charaktere auf die Bühne zu zaubern, die es vermögen E-Mails zum Leben zu erwecken und ein lebendiges Bild zweier Menschen zu zeichnen, die sich allein durch ihr Schreiben kennenlernen, annähern, immer wieder verlieren und dann doch wieder zueinanderfinden. Übrigens: am 7., 8., 13. und 14. Oktober wird Gut gegen Nordwind noch einmal aufgenommen. Hingehen lohnt sich!
Text: Lavinia Kamphausen












1 • Ulla u.Carsten Schröder
Kommentar schreiben